Partnerstwo Instytutów (Zielona Góra - Giessen)

plakatCarsten Gansel (Giessen) / Paweł Zimniak (Zielona Góra)

Zur Germanistischen Institutspartnerschaft (GIP) zwischen der Justus-Liebig-Universität Giessen und der Universität Zielona Góra (Polen) - Stand und Perspektiven

Das übergreifende Ziel des Bologna-Prozesses ist die  Schaffung eines relativ einheitlichen europäischen Hochschulraumes, der in den weit gefassten Prozess des Zusammenwachsens Europas eingebunden ist. Eine Basis für den einheitlichen europäischen Hochschulraum sollen gemeinsam herausgearbeitete und akzeptierte Normen und Standards bilden, damit eine strukturelle Kompatibilität in der europäischen Hochschulausbildung garantiert werden kann. Die Verfolgung dieses Ziels ist ohne internationale Zusammenarbeit im Bereich des Hochschulwesens, ohne stärkere Internationalisierung schwer vorstellbar, denn die internationale Zusammenarbeit ist eine Voraussetzung für die Erarbeitung vergleichbarer und kompatibler Systeme zur Sicherung der Qualität von Studium, Lehre und Forschung sowie zur ständigen Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Wissenschaftseinrichtungen.
Die Entstehung der GIP ist das Resultat eines intensiven Gedankenaustausches im Vorfeld. Dazu zählen Gespräche in Zielona Góra, die Anfang 2003 zwischen Prof. Dr. Carsten Gansel von der JLU und der Institutsleitung sowie vielen Mitarbeitern des Instituts für Germanistik der Universität Zielona Góra stattgefunden haben. Anschließend wurde gemeinsam ein Antrag auf die Unterstützung des Vorhabens beim DAAD eingereicht und bewilligt. Die Gespräche bezogen sich auf die Bildungsplanung und Forschungsförderung. Sie wurden von Prof. Dr. Carsten Gansel von der JLU und Dr. Pawel Zimniak von der Universitätet Zielona Góra geleitet. Die Germanistischen Institutspartnerschaften stellen im Sinne des DAAD ein Instrumentarium zur Förderung der deutschen Sprache dar und sollen im Verein mit anderen Maßnahmen grundsätzlich die Position der deutschen Sprache in Mittel- und Osteuropa stärken und darüber hinaus einen Beitrag leisten:

  • zur Modernisierung der Lehre an den Lehrstühlen für Germanistik bzw. Deutsch als Fremdsprache an den ausländischen Hochschulen,
  • zur Förderung junger Wissenschaftler an diesen Lehrstühlen durch gemeinsame Betreuung von Qualifizierungsarbeiten; die Zahl der Promovierten und Habilitierten an den Lehrstühlen soll erhöht werden,
  • zur Weiterbildung der an diesen Lehrstühlen tätigen Hochschullehrer,
  • zur Entwicklung der Curricula und der Lehrmaterialien,
  • zur Förderung gemeinsamer Forschungsvorhaben,
  • zur Förderung des Austausches von Studierenden zwischen den beteiligten Lehrstühlen,
  • zur Förderung deutscher Studierender und Graduierter für einen Einsatz als Tutor an der ausländischen Hochschule,
  • zum Transfer wissenschaftlicher Arbeitsmethoden in der Germanistik in der Programmregion.

Die Kooperation im Rahmen der GIP ist für die Programmregion Zielona Góra und die Universität Zielona Góra aus folgenden Gründen wichtig:

  • Zielona Góra ist eine Universitätsstadt, die an der deutsch-polnischen Grenze liegt. Bilaterale Beziehungen zwischen Deutschland und Polen werden hier auch im Zusammenhang mit der
  • polnischen EU-Mitgliedschaft besonders intensiv gepflegt.
  • Es besteht in der Wojwodschaft Lubuskie großer Bedarf an qualifizierten Germanisten � Deutsch ist die erste Fremdsprache in den Schulen der Wojwodschaft.
  • Die Bewerberzahlen der Abiturienten an der Universität Zielona Góra sind gegenwärtig sehr hoch, bis zu 4 Personen pro Studienplatz, Tendenz steigend. Die Germanistik erfreut sich bei Kandidaten besonderer Beliebtheit.
  • Das Institut für Germanistik in Zielona Góra befindet sich im Aufbau und braucht vielseitige wissenschaftliche Förderung, um sich erfolgreich entwickeln zu können, und die Kooperation mit der Germanistik der JLU ermöglicht eine Verbesserung in Lehre und Forschung sowie trägt zur Qualitätssicherung bei.

Wir können bisher im Zusammenhang mit Zielsetzungen auf einige konkrete Beispiele und konkrete Resultate der Kooperation zwischen Giessen und Zielona Góra im Rahmen der GIP hinweisen. Es sind besonders folgende Aktivitäten hervorzuheben:

  • Es haben 2004 zwei internationale Tagungen stattgefunden: a) Das Deutsche als Forschungsobjekt und als Studienfach: Synchronie � Diachronie � Typologie � Glottodidaktik, b) Reden und Schweigen in der deutschsprachigen Literatur nach 1945. Die Germanistik der JLU war Mitveranstalter und mit 3 Kollegen vertreten: Prof. Dr. Carsten Gansel, Prof. Dr. Wolfgang Gast und Dr. Karl W. Bauer. Es sind zur Tagung auch 3 deutsche Studierende gekommen.
  • Durch gemeinsame Betreuung als Herausgeber (Prof. Dr. Carsten Gansel und Dr. Pawel Zimniak) ist 2004 das Buch Texte in Kontexten entstanden. Das nächste gemeinsame Buch als Resultat der Tagung Reden und Schweigen in der deutschsprachigen Literatur nach 1945 ist in Vorbereitung und erscheint im 1. Quartal 2006.
  • Im Mai 2005 sind drei deutsche Kollegen von der JLU zu Gastvorträgen nach Zielona Góra gekommen. Prof. Dr. Wolfgang Gast sprach vor polnischen Studierenden über Entwicklungen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und im Film, Prof. Dr. Carsten Gansel zu Entwicklungen in der deutschen Gegenwartsliteratur in Verbindung mit Kindheitserinnerungen und Poproman, Dr. Karl W. Bauer sprach zur Darstellung des Holocaust in der deutschen Kinder- und Jugendliteratur. 
  • Vor dem Hintergrund der Sicherung und Fortentwicklung gemeinsamer Verfahrensstandards und der Förderung der europäischen Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung im Hochschulbereich fand auf die Initiative von Prof. Dr. Carsten Gansel ein gemeinsames Workshop statt (Berlin, Dieter-Bonhoeffer-Haus, 30.01.-01.02.2006),  zum Thema: Von Kompetenzen zum Curriculum � Konsequenzen für die germanistische Ausbildung im internationalen Rahmen. Durch den Vergleich von Studien- und Ausbildungsprogrammen und die Feststellung von Mindeststandards kann eine bessere Qualitätssicherung in Lehre und Studium stattfinden. Durch einen solchen Gedankenaustausch wird den Instituten ermöglicht, sich und ihren Studiengängen ein entsprechendes Profil zu verleihen und gut funktionierende Strukturen des anderen für die eigene Profilierung zu nutzen.
  • Es sind bisher 6 polnische Studierende zum Teilstudium nach Giessen gekommen, 3 weitere sind für das SS 05/06 geplant. Der Studienaufenthalt an der JLU wird den polnischen Studierenden aufgrund des Kreditpunktesystems ECTS angerechnet und anerkannt.
  • Einen sehr wichtigen Punkt der Kooperation zwischen Giessen und Zielona Góra im Rahmen der GIP bildet die Möglichkeit der Durchführung von Qualifikationsverfahren an der JLU Giessen. Es sollen 2006-07 nach Zustimmung deutscher Kollegen an der JLU zwei Dissertationen und eine Habilitationsschrift entstehen. Monika Hernik-Mlodzianowska und Marta Ratajczak arbeiten im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur / Betreuer: Prof. Dr. Carsten Gansel. Von Dr. Pawel Zimniak wird im April 2006 die Habilitationsschrift: Niederschlesien als Erinnerungsraum in textlichen Sinn(kon)figurationen deutscher Autoren nach 1945 - Fallstudien, die auf den Sonderforschungsbereich Erinnerungskulturen der JLU Bezug nimmt, eingereicht. Die beiden Dissertationen und die Habilitation werden von Professoren der JLU mit viel Engagement betreut. Es finden diesbezüglich regelmäßige Konsultationen im Rahmen der Forschungsaufenthalte der polnischen Kolleginnen und Kollegen an JLU mit Herrn Prof. Dr. Carsten Gansel, Prof. Dr. Gerhard Kurz und Prof. Dr. Jürgen Reulecke statt.

Eine breit gefächerte Zusammenarbeit im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft zwischen Giessen und Zielona Góra hilft der jungen Universität und dem Institut für Germanistik in Zielona Góra eigenes Profil zu gewinnen und ist sowohl für Studierende, als auch für Lehrende und Forschende von Bedeutung. Ein solcher Austausch bedeutet auch für den deutschen Partner einen sinnvollen Erfahrungsaustausch und ist in die Erwartungshaltung der Förderung der europäischen Dimensionen im Hochschulbereich gut integriert.